Sprung-Navigation für den direkten Zugriff

Zum Hauptmenü Zum Untermenü Zum Seiteninhalt Zur Seitensuche
 

Ansprechpartnerin

Marita Gerwin

Marita Gerwin

Tel.:
02932 / 201-2207

Ansprechpartner

Martin Polenz

Martin Polenz

Tel.:
02932 / 201-2206

Weitere Ansprechpartner

Kindertagesstätte
"Kleine Strolche"

Margit Albers
Auf der Alm 127
59821 Arnsberg
Tel. 02931-22804
EMail:
kitakleinestrolche.arnsberg
@arnsberg.de

Senioreneinrichtung
Haus "Zum Guten Hirten"

Frau Vielhaber
Ginsterweg 27
59821 Arnsberg
Tel. 02931-5262-0
EMail:
hzgh@diakonie-ruhr-hellweg.de

Eine frei erfundene Geschichte, die sich so oder so ähnlich, überall in der Welt abspielen könnte. Mit fiktiven Personen und Namen, die nicht mit den abgebildeten Menschen auf den Fotos übereinstimmen:

Text von Marita Gerwin
Fotos von Martin Polenz

Was ist in Uromas Kopf los?

Erst war Ida´s Uroma Hedwig nur ein bisschen vergesslich. Sie erzählte ihr dreimal am Vormittag das Gleiche. Es passierte durchaus auch schon einmal, dass die Uroma plötzlich völlig verunsichert und hilflos die kleine Ida fragte: "Sagen Sie mal, junge Dame, wer sind Sie eigentlich? Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor? Haben wir uns schon einmal gesehen?" Zuerst stutzte Ida ein wenig irritiert, doch dann lächelte sie ihre Uroma verschmitzt an und streichelte dabei zärtlich ihre Hand „ Ich bin doch die Ida und Du bist doch meine Lieblings-Uroma Hedwig!“ Ida ist gerade 6 Jahre alt geworden. Sie weiß inzwischen, was in Uromas Kopf los ist. Die Mama hat ihr erzählt, dass Uroma Hedwig´s Gehirn nicht mehr so gut funktioniert.

Wie Nebel im Kopf

"Wie Nebel im Kopf?", fragt Ida interessiert nach. "Ja, so kann man es vielleicht beschreiben. Doch es gibt ein paar Stellen in ihrem Kopf, an denen es klar ist. Da liegen die Gefühle und Erinnerungen, besondere Erlebnisse ihres Lebens, schöne und nicht so schöne. Aber vor allem Erlebnisse aus der Zeit, als sie auch ein Kind war, wie du heute" erklärt ihr die Mama. "Kann sich Uroma Hedwig, deshalb auch nichts Neues mehr merken? Wann wird sie denn wieder gesund?" Fragen über Fragen, die Ida auch mit in ihre Kita "Kleine Strolche" Auf der Alm in Arnsberg nimmt. Viele der Kinder haben gar keine Uroma mehr. Neugierig und gespannt schauen sie sich zusammen mit ihren Erzieherinnen Frau Albers und Frau Liebig das Bilderbuch "Opa bleibt Opa" an. Auch das Vorlesebuch "Omas Apfelkuchen" erklärt ihnen die wundersame Vergesskrankheit.

Sie sitzen im Kreis und werfen sich kreuz und quer eine Wollknäuel zu. Ganz allmählich entsteht ein Netz mit vielen Verbindungen und Maschen. Genauso ist es im Gehirn eines Menschen, Immer engmaschiger, immer verzweigter wird das Netz aus Wolle, bis alle Kinderhände voll zu tun haben. Frau Liebig, ihre Erzieherin, lässt kleine Zettel in das Fadengewirr regnen, das wie ein kunterbuntes Netzwerk aussieht. Einige kleine Zettel, die Uroma Hedwig´s Erinnerungen darstellen sollen, bleiben auf dem Wollnetz liegen. Anderen fallen durch die Maschen hindurch. Unwiederbringlich purzeln sie auf den Boden, schweben dahin und dorthin. So wie die Erinnerungen von Uroma Hedwig. Jetzt verstehen die 5- und 6-jährigen, was im Gehirn passiert, wenn die Vergesskrankheit eingesetzt. Dass sich die Krankheit nicht bessern wird, begreifen sie mit all ihren Sinnen. Aber auch, dass Uroma Hedwig Hilfe braucht. Jemand der sie versteht, dem sie sich anvertrauen kann, der sie liebt, auch wenn sie vergesslich ist. "Die großen Leute nennen das "Demenz" oder "Alzheimer", erklärt ihnen Frau Albers, die Leiterin der Kita.

Vergesskrankheit kann man nicht sehen

"Von Außen sieht deine Uroma aber ganz normal aus", stellt Liane fest. Das liegt daran, dass man die Vergesskrankheit nicht sehen kann, so wie ein Gipsbein bei einem gebrochen Fuß", weiß Finn, der pfiffige Blondschopf. "Oder wie ein Kopfverband beim Loch im Kopf. Oder wie ein knallroter Kopf, wenn man Fieber hat!" sprudelt es aus der munteren Kinderschar heraus. Sie alle hören gebannt und wissbegierig zu, als Frau Liebig ihnen erklärt, dass Menschen, die demenzkrank sind, vielleicht an manchen Tagen vergessen, wann es Morgen, Mittag oder Abend ist. Dass sie vielleicht gar kein Hunger und Durst mehr spüren. An anderen Tagen denken sie vielleicht Mittags daran, dass sie ein leckeres Essen kochen möchten, wissen aber nicht mehr, dass Salz ins Wasser gehört, um die Kartoffeln zu kochen. Oder sie verlaufen sich, weil sie nicht mehr wissen, wo sie wohnen. "So war es auch bei meiner Uroma Hedwig, die hat sich im Eichholz verirrt, als sie allein spazieren gegangen ist. Sie hatte einen Koffer dabei und wollte zu ihrer Mama verreisen!", erinnert sich Ida . "Oh, Hilfe.... lebt die Mama von der Uroma denn noch? Die muss ja dann 1000 Jahre alt sein! Wie habt ihr sie denn wieder gefunden? Hatte sie ein Handy dabei, dass sie euch anrufen konnte?", fiebern alle Kleinen Strolche besorgt mit. Ida denkt mit Gänsehaut an diesen Schrecken zurück. "Alle Nachbarn und Freunde haben geholfen Uroma Hedwig zu suchen. Kurz bevor es dunkel wurde, haben wir sie endlich am Segelflugplatz im Alten Feld gefunden. Sie hatte so eine Angst! Und ich auch!" erinnert sich Ida. Frau Liebig streichelt sie tröstend über den Kopf und greift die Situation auf. „Ja, Menschen mit der Vergesskrankheit brauchen andere Menschen, die an das denken, was sie selbst vergessen. Die für sie da sind, so wie Eure Eltern, Geschwister, Freunde und die Erzieherinnen in der Kita für Euch da sind. Ihr Kinder braucht ja auch gelegentlich Hilfe, bis Ihr erwachsen seid. So ist das auch im Alter."

Erinnerungen und Denkzettel

Uroma Hedwig ist jetzt 86 Jahre alt. Die Goldene Hochzeit hat sie mit Opa Hermann gefeiert, als Ida vier Jahr alt war. Da wohnte sie noch in ihrem eigenen Haus in der Ehmsenstraße, hoch oben am Berg mit einem großen Garten drum herum. Ida kann sich noch gut erinnern, wie sie dort zusammen mit ihren Freunden auf den Kirschbaum geklettert sind und im Baumhaus gespielt haben, das der Opa ihnen gebaut hatte. Wie lecker schmeckte der Kuchen, den Uroma Hedwig jeden Samstag gebacken hat. "Deine Uroma wusste immer alles! Weißt Du noch, wie schnell sie die Punkte auf den sechs Würfeln zusammengerechnet hat, wenn wir geknobelt haben? Keiner konnte so schnell rechnen wie sie. Und beim Memory-Spiel hat sie auch immer gewonnen, weil sie sich einfach jede Karte merken konnte. Und jetzt ist sie soooooo vergesslich.", bedauert Finn seine Freundin Ida. "Uroma Hedwig hat erst immer Angst gehabt, dass ich merke, dass sie alles vergisst. Sie hat dann überall in ihrem Haus "Denkzettel" hingeklebt.

Seit einem Jahr kann Uroma Hedwig nicht mehr Zuhause wohnen. Sie ist in die Nachbarschaft in das Seniorenhaus Zum Guten Hirten in den Ginsterweg gezogen. Gar nicht weit von der Kita Kleine Strolche entfernt. Heute besucht Ida mit ihren kleinen Freunden aus der Kita die Uroma Hedwig und die anderen Senioren und Seniorinnen regelmäßig. Manchmal kommen die alten Menschen auch zu Besuch in die KITA Kleine Strolche. Sie staunen darüber, dass wir hier zusammen essen und Mittagsschlaf halten, wenn wir müde sind. „Als sie klein waren, gab es noch keine Kindergärten“ weiß Lydia schon. Ein Stichwort genügt, und schon singt eine alte Dame wunderschöne Kinderlieder, die sie nicht vergessen hat: „Kommt ein Vogel geflogen... Der Kuckuck und der Esel....Alle Vögel sind schon da... Zum Geburtstag viel Glück....“ Sie hat eine schöne Stimme und kennt alle Strophen auswendig. Die Kinder staunen und klatschen im Takt mit. Die alte Dame strahlt über ´s ganze Gesicht. Sie ist glücklich, dass sie den Kindern eine Freude mit ihren Liedern machen kann. Schöne Momente, die das Herz berühren Einfach unvergesslich. Sie bepflanzen gemeinsam eine Kräuterschnecke mit duftenden Pflanzen und blühenden Blumen. Spielen, singen, tanzen, turnen, kochen, backen, lachen, klatschen, musizieren, malen. Sie erzählen sich Geschichten vom Verreisen, schreiben sich Postkarten aus den Ferien. Richtig dicke Freunde sind sie inzwischen geworden.

Wir kommen wieder

Ida's Uroma Hedwig sitzt gern am Gartenteich vor dem Seniorenhaus Zum Guten Hirten im Schatten der Bäume und schaut den bunten Koi's zu, wie sie ihre Runden schwimmen. Die Kleinen Strolche setzen ihr einen großen Strohhut auf, damit sie vor der Sonne geschützt ist, reichen ihr ein Glas Saft und blasen bunte Seifenblasen in die Luft. Uroma Hedwig schaut gedankenverloren den Seifenblasen hinterher. Sie redet nicht viel. Sie lächelt nur. Sie fühlt sich gut, da ist sich Ida sicher.

Frau Helmert, die Leiterin des Seniorenhauses, Frau Krüger und Schwester Monika kommen mit einer Überraschung aus der Küche: Es gibt für alle, ob Groß oder Klein. ein leckeres, erfrischendes Eis. "Hmmm, lecker!" strahlt Lydia, die bisher keinen Besuch im Seniorenhaus verpasst hat. Als Uroma Hedwig den Eisbecher ein wenig seltsam ansieht, greift Lydia kurzerhand, ohne große Worte, zum Löffel, füttert sie mit einer Engelsgeduld, putzt ihr noch schnell mit der Servierte die Hände ab und rennt wie ein Wirbelwind winkend los, zu den andern Kindern, die sich langsam auf den Weg machen. Für heute sagen sie "Tschüss, bis bald. Wir kommen wieder, ganz bestimmt!" Zurück bleibt ein gutes Gefühl bei Uroma Hedwig und den anderen Bewohnern des Hauses zum Guten Hirten. Und natürlich auch bei Ida und all ihren Freunden aus der Kita Kleine Strolche. Jedes Mal, wenn sie zurückkommen, steht ihr Mund nicht still. Es gibt viel zu erzählen - in der Kita Kleine Strolche und Zuhause. Es sind Erlebnisse, die ihr Leben prägen. Einfach unvergesslich.